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10. EIGENES ATELIER 1933-1945 |
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10. Selbstständiger Grafiker in Wilhelmshagen bei Berlin (1933 - 1945) Bereits kurz nach seiner Beurlaubung als Direktor der Kunstgewerbeschule Magdeburg war Deffke wieder nach Berlin gezogen. Er gab jedoch sein Atelier in der damaligen Kaiserallee Nr. 204 und seine Wohnung in Friedenau auf und zog mit der Familie nach Woltersdorf bei Berlin. Sein neues Atelier eröffnete er im nahegelegenen Wilhelmshagen.(138) Seine Tätigkeit als freischaffender Grafiker begann erneut durch Abschluss eines langfristigen Vertrags mit der Firma BAT, British American Tobacco Co., London und New York.(139) Da die folgende Zeit hauptsächlich in dem von Deffke geschriebenen Lebenslauf dokumentiert ist, sei er im Folgenden ausführlich zitiert:(140)
"[Durch den Vertrag] wurde ich nicht nur persönlich dem wirtschaftlichen Ruin entrissen und auf Jahre hinaus finanziell sichergestellt, sondern ich konnte auch andere gleichzeitig mit mir vertriebene Gesinnungsgenossen meines magdeburger [!] Lehrerkollegiums in mein Berliner Atelier [?] aufnehmen und so wieder zu Arbeit und Brot bringen. Einer daraufhin sofort gegen mich neu einsetzenden verstärkten Terroraktion der Partei musste ich mit meinen Mitarbeitern verschiedentlich ausweichen, einmal sogar für ein volles Vierteljahr bis nach Dresden, wo uns die Kunstanstalt von Meinhold & Söhne und die Druckerei von Bergmann & Cie. Unterschlupf boten. Meine inzwischen erfolgte Zwangspensionierung änderte nichts an diesen endlosen Schikanen; im Gegenteil wurde ich nach Einrichtung einer kleinen eigenen Andruckerei für meine Zwecke, besonders vonseiten [!] der Reichskulturkammer in Bezug auf meine Arbeitszulassung, aufs heftigste bedrängt und wiederholt wegen formaler Nichtigkeiten in Strafe genommen. Langwierige Verhandlungen führten dann nach Einflußnahme von Mittelsmännern der BAT endlich wenigstens zu meiner Aufnahme in den Fachverband der Gebrauchsgraphiker bei der Reichskammer d.b.K., allerdings nur unter der Bedingung der Einschränkung meiner Entwurfstätigkeit ausschließlich auf das Gebiet der Schutzmarke und der weiteren Einschränkung auf Haltung von nur zwei Lehrlingen. Als freischaffender Graphiker und Maler sowie als Architekt wurde ich nicht zugelassen und musste daher durch alle die Jahre bis heute [1945] die peinigende offizielle geistige Knebelung erdulden; weder ausstellen durfte ich, noch mich an graph. od. Architekturwettbewerben beteiligen. So blieb meine Tätigkeit von 1936 bis zum Kriegsausbruch auf die Mitarbeit bei der BAT beschränkt ... 1939-1945: Seit dem Fehlen der Auslandsaufträge war ich nun während der Kriegsdauer zur Erhaltung der Existenz ausschließlich auf die Ausführung von Schutzmarkenentwürfen für die Industrie angewiesen. Mit zunehmender Kriegsdauer und dem sich daraus automatisch ergebenden verstärkten Propagandabedürfnis wurde die Lage für mich als bekannter Werbegraphiker von neuem bedrohlich. Gleich seit den ersten Kriegseinsatzverordnungen durch die Reichskammer d.b.K. und die Arbeitsämter und später den diesbezgl. immer schärferen behördlichen Anordnungen bis zum direkten Einsatzbefehl seitens des Reichspropagandaministeriums wurde ich bei Umgehung des Arbeitseinsatzes zur Anwendung immer gewagterer Manipulationen für mich persönlich sowohl wie auch für die mir verbliebenen gesinnungsgleichen Mitarbeiter gezwungen, bis schliesslich nur noch systematische Sabotage davor retten konnte. Diese konsequente Einsatzverweigerung hatte das Ergebnis, dass nicht nur für die Kriegsdauer, sondern überhaupt während des ganzen Naziregimes nicht ein einziger Entwurf von meiner Hand für Partei oder Staat zur Ausführung gekommen ist."(141)
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Für die Firma BAT und die Firma Most lässt sich je eine Arbeit Deffkes nachweisen (WVZ Nr.29 und WVZ Nachtrag Nr. N002)). Der von 1934 bis 1940 im Atelier von Deffke mitarbeitende Grafiker Wilhelm Winterschlade erwähnte 1948 neben dem Auftrag der Firma BAT noch für 1934/1935 einen Auftrag für die Zigarettenfabrik "Haus Bergmann" in Dresden. Vermutlich bezog sich Deffke darauf, als er im obigen Zitat von der Druckerei "Bergmann & Cie." in Dresden schrieb.(142) Deffkes Aufnahme in die Reichskulturkammer erfolgte vor dem 10.3.1936.(143) Die von der Reichskammer veranlasste Beschränkung der Tätigkeit auf den Entwurf von Signets führte zu einem umfangreichen Schaffen Deffkes auf diesem Gebiet. Es lassen sich insgesamt 4722 (!) Signet-Entwürfe nachweisen, die auf Planfilm vorliegen. Stilistisch schließen sie an die Wilhelmwerk Signet-Entwürfe an. Aus der überwiegenden Zahl der Entwürfe geht keine Firmenbezeichnung hervor. Da es überaus schwierig ist, die große Zahl der Entwürfe systematisch zu ordnen, ist eine Aufnahme in das Werkverzeichnis vorerst unterblieben. Parallel dazu arbeite Deffke bis 1945 weiter an seinem Projekt 'Grammatik der Formensprache' (WVZ Nr.64); 1933 begann er mit der Arbeit an dem sogenannten utopischen Projekt 'H', die er 1945 abschloss (WVZ Nr.63).(144) Die Kriegszeit endete für Deffke mit dem Verlust des größten Teils seiner "Originale, Pläne, Aufzeichnungen" sowie der fast vollständigen Vernichtung seiner 9000 Bände umfassenden Bibliothek.(145)
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Anmerkung 138)
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