Sie sind hier: Wilhelm Deffke 3. 1909-1910  
 WILHELM DEFFKE
Inhalt
1.1. 1887-1901
1.2. 1901-1907
1.3. 1904-1907
2. 1907-1909
3. 1909-1910
4. 1910-1912
5. 1912-1914
6. 1914-1915
7. 1916-1920
8. 1920-1925
9. 1925-1933
10. 1933-1945
11. 1946-1950

3. IM ATELIER BEHRENS 1909-1910
 

3. Mitarbeiter im Atelier von Peter Behrens, Neubabelsberg bei Potsdam (1909 - 1910)
Am 1.2.1909 trat Deffke ins Atelier Behrens ein.(47) Bereits 1904 war ein Schüler der Kunstgewerbeschule Elberfeld, Willy Wieselspütz, als Zeichner ins Atelier von Behrens nach Düsseldorf gegangen. Dies sowie die Nähe zu Düsseldorf läßt vermuten, daß Behrens als ehemaliger Direktor der Kunstgewerbeschule Düsseldorf gute Kontakte zur Elberfelder Kunstgewerbeschule besaß, die auch für Deffkes Eintritt maßgeblich waren.(48)
Der Jahresbericht 1908/1909 der Elberfelder Kunstgewerbeschule vermerkt, daß "der Kunstbuchbinder und Zeichner Willy Deffke als Zeichner bei Professor Peter Behrens in Neubabelsberg bei Potsdam" beschäftigt sei.(49) Deffke gab bezüglich seiner Tätigkeit im Atelier Behrens an:

1909-1910: Selbstständiger künstlerischer Mitarbeiter für Graphik, figurale Komposition und Architektur bei Prof. Peter Behrens, Berlin. U.a. Entwurf der gesamten graph. Werbemittel für die AEG u. gemeinschaftl. Bearbeitung grösserer Ausstellungsprojekte mit den beiden dort gleichzeitig schaffenden Assistenten und späteren Bauhausdirektoren Gropius u. Mies van der Rohe.(50)

Konkret nachweisen lässt sich ein größeres Projekt: Deffkes Mitarbeit an der Bühnengestaltung für das Schauspiel "Diogenes" von Otto Erich Hartleben, aufgeführt am 26. Juni 1909 als Festvorstellung anläßlich der Eröffnung der neuen Stadtgarten-Halle in Hagen in Westfalen.(50a) Der Auftrag an das Atelier kam von Karl Ernst Osthaus, der Behrens Pläne für eine künstlerische Bühnenreform unterstützte und ihm hier die Möglichkeit zu deren Verwirklichung gab.(50b) Im KEO-ARCHIV hat sich eine Kostenaufstellung des Atelier Behrens an Osthaus für den Zeitraum vom 17. Mai bis 26. Juni 1909 erhalten, in der die Namen der Mitarbeiter Gropius, Mies, Karpenstein und Deffke sowie ihre geleisteten Arbeitsstunden dokumentiert sind. Insgesamt wurden 258 Stunden 45 Minuten aufgeführt, wovon auf Gropius 149 Stunden, Mies 9 Stunden 15 Minuten, Karpenstein 3 Stunden und Deffke 97 Stunden 30 Minuten entfielen. Zwischen dem 14. und 20. Juni waren sowohl Gropius als auch Mies (obgleich letzterer nur für eine halbe Stunde) und Deffke beschäftigt, die letzten Tage vom 21. Juni bis zur Auführung am 26. Juni arbeitete nur noch Deffke an dem Projekt. Gropius' Arbeitszeit wurde nicht berechnet; nur die Mies' und Deffkes kostete pro Stunde eine Mark, Karpensteins lediglich 65 Pfennig.(50c)
Anzunehmen ist, daß Deffke während der Zeit im Atelier Behrens (1.2.1909 - 1.4.1910) an der Gestaltung vieler in diesem Zeitraum unter Behrens' künstlerischer Leitung entstandenen graphischen Werbemittel mitwirkte.(51) Eine nachweisbare Urheberschaft Deffkes gibt es jedoch nur für eine Seite des Prospekts "Turbo- angetriebene Hilfsmaschinen für Land- und Bordanlagen" (WVZ Nr.3), der im März 1910 erschien. Vermutlich gestaltete er den gesamten Prospekt.
Bezüglich des erwähnten Tätigkeitsgebiets Architektur muß angemerkt werden, daß Deffke an der Kunstgewerbeschule Elberfeld keine spezielle Ausbildung als Architekt erhalten hatte. Da die von ihm in Elberfeld besuchte Fachklasse für kunstgewerbliche Zeichner und Kunstschlosser unter Leitung des Architekten Eberhard Abele stand, dürfte er jedoch zumindest Grundkenntnisse in der innenarchitektonischen Gestaltung erworben haben. Deffkes Mitarbeit bei Ausstellungsprojekten war daher vermutlich auf den Bereich der Innenarchitektur, wie z. B. oben erwähnte Bühnengestaltung beschränkt.(52)
Neben Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe lassen sich am 18.5.1909, also kurz nach Eintritt Deffkes ins Atelier Behrens, folgende Mitarbeiter nachweisen:
Peter Grossmann, Max Lindemann, Jean Krämer, Hermann Karpenstein, Franz Hopfner, Schrüllkamps (Vorname vermutlich Franz), Otto Hapke und Friedrich Hesse.(53)




 

Laut Grossmann waren weitere Mitarbeiter des Ateliers: Fieger, Hans Hessler, Henklein, Deffke, Hertwig, Dietz und Vetter.(54)
Deffkes Zeit im Atelier Behrens markierte den Wendepunkt von der unter Einfluß seines Lehrers an der Kunstgewerbeschule Elberfeld, Loeber, vermittelten, vorwiegend floral ornamentalen, vom holländischen Jugendstil beeinflußten Flächengestaltung zu einem geometrischen bzw. "tektonischen oder architektonischen" Stil Behrens'scher Prägung.(55)
Auch der Sachplakat-Stil Lucian Bernhards, der um 1909/1910 auf die deutsche und speziell die Berliner Werbegraphik einen sehr großen Einfluß hatte und in einigen Arbeiten Behrens für die AEG spürbar ist, scheint auf spätere Arbeiten Deffkes eingewirkt zu haben (WVZ Nr.211, 343, 344).(56)
Ein persönlicher Kontakt zwischen Deffke und Bernhard, der gelegentlich mit Behrens zusammenarbeitete, läßt sich während Deffkes Mitarbeit im Atelier Behrens nicht nachweisen.(57) Die mir erst kürzlich ermöglichte, indirekte Kontaktaufnahme zu Bernhards beiden Söhnen, brachte diesbezüglich noch kein Ergebnis. Deffke erwähnte in seinem Lebenslauf den Namen Bernhard überhaupt nicht. Denkbar ist, daß beide sich erstmalig persönlich kennenlernten als Deffke zwischen 1912 und 1914 bei der Druckerei und Verlagsanstalt Otto Elsner, Berlin, tätig war.(58)

Gabriele Heidecker charakterisierte Behrens' damaligen gebrauchsgraphischen Stil als "Abstraktion des Vielfältigen und Geordneten auf das Zeichen des Typischen" und bezog sich dabei auf Behrens' Reduzierung von Gegenstand (=Produkt) und Funktion auf ein prägnantes, einfaches Zeichen (=Signet).(59) Dieses war das für Deffkes späteres Schaffen bedeutendste Gestaltungsprinzip, das er konsequent formal weiterentwickelte. Wie Behrens versuchte er dabei, Werbegraphik, Markenzeichen und Messe- bzw. Firmenarchitektur einer Firma zu einer Einheit zusammenzufassen.(60)




Anmerkung 47)