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8. EIGENES ATELIER 1920-1925 |
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8. Selbständiger Grafiker, Architekt und Werbeorganisator in Berlin (1920 - 1925) Deffke begann im September 1919 seine umfangreiche Entwurfsarbeit für die Firma Reemtsma mit der Umarbeitung des gegenüber den Wettbewerbs-Entwürfen leicht veränderten Firmensignets (WVZ Nr.416). Bis Ende 1921 folgte sowohl die Neugestaltung sämtlicher grafischer Werbemittel als auch der Produktverpackungen und der Firmenarchitektur (WVZ Nr.363-448). Jetzt konnte Deffke dank der Unterstützung des Firmeninhabers Bernhard Reemtsma das während der Wilhelmwerk-Zeit entwickelte Konzept umsetzen und die gesamte Firmenwerbung unter jeweils angemessenem, bildlichem Zitat des Firmensignets gestalten. Lediglich der geplante Umbau des Hauptgebäudes der Firma in Erfurt konnte aufgrund der fortschreitenden Inflation und des Umzugs der Firma 1923 nach Hamburg nicht realisiert werden.(85) Die zeitgenössische Rezeption von Deffkes Werbekonzept für Reemtsma war besonders in Fachkreisen überwiegend positiv. Die neuartige, abstrakte und auf wenige Grundfarben reduzierte, künstlerische Form hob sich stark von der traditionellen, eher naturalistische Sujets bevorzugenden Tabak- bzw. Zigarettenwerbung ab. Die angesprochenen Konsumenten nahmen die neu gestaltete Reemtsma-Werbung dagegen nicht an, wenn man von den niedrigen Umsatzzahlen der Produkte ausgeht.(86) Als weiteres wichtiges Projekt führte Deffke 1920 die "Werbeorganisation und künstlerische Gestaltung sämtl. graph. Werbemittel der Schokoladenfabrik Mauxion, Saalfeld/Saale" durch (WVZ Nr.325-339).(87)
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Unmittelbar im Anschluss an die Tätigkeit für die Firma Reemtsma begann Ende 1921 seine Zusammenarbeit mit der Nahrungsmittel- und Kosmetikfabrik Rückforth, Stettin, die bis Ende 1924 andauerte (WVZ Nr.455-547):(88)
"1922-1924: Werbeorganisation und künstlerische Gestaltung sämtl. Werbemittel einschl. Ausstellungs- und Industriearchitekturen des Rückforth-Konzerns, Stettin (insges. 72 Aktiengesellschaften). Auch dieses umfassende Werbegesamtwerk erregte in seinen ersten Auswirkungen ebenfalls [wie auch bei Reemtsma] stärkstes aufsehen [!]. Seine Fortführung und Fertigstellung wurde durch die Inflation unterbunden."(89)
Das Ende 1921 gestaltete Firmensignet (WVZ Nr.510) wurde für Deffke auch diesmal zum Basiselement der gesamten Firmenwerbung. In seine Gestaltung der grafischen Werbemittel und der Verpackungen flossen, möglicherweise durch Ansprüche des Auftraggebers bedingt, neben den abstrakten wieder ornamentale Stilelemente ein. Bei der Gestaltung der Rückforth-Messestände reduzierte er jedoch deren Bauelemente auf einfache, in Weiß gehaltene Quader-Formen, akzentuierte mit Schwarz, kräftigem Rot oder Gelb und erreichte damit einen Grad der Abstraktion bzw. Zweckmäßigkeit, wie er damals im Bereich der Messearchitektur selten zu finden war (WVZ Nr.478-482, 484-487). Das Firmensignet bezog er an exponierter Stelle, zumeist in großer, plastischer Form in die Gestaltung der Messestände ein.
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Gegen Ende seiner Tätigkeit für Rückforth entwarf Deffke im Frühjahr und Herbst 1924 zwei Messestände für die Zigarettenfabrik Tesma, Berlin. Der Entwurf vom Frühjahr war noch in der Art der oben beschriebenen Rückforth-Stände gehalten (WVZ Nr.606).(90) Während die Architektur der Rückforth-Stände, u.a. durch Form und Farbe der Bauelemente bedingt, die ausgestellten Waren teilweise in den Hintergrund drängte, gab er dem im Herbst entworfenen Messestand der Firma Tesma durch die als tragende Bauelemente verwendeten, großen Glas-Trennwände eine Transparenz, die den Blick verstärkt auf die zwischen den Glaswänden ausgestellten Waren lenkte (WVZ 607). Hierbei verband Deffke auf ideale Weise eine künstlerisch anspruchsvolle Gestaltung mit einer optimalen Produktpräsentation. Die Verwendung von Glaswänden, zumal als elementare Bauelemente, lässt sich meines Wissens bis zu diesem Zeitpunkt - Ende 1924 - bei Messeständen nicht nachweisen und weist auf Deffkes innovativen Gestaltungsanspruch hin. Erst 1927 griffen Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich in zwei von ihnen gemeinsam entworfenen Ausstellungsständen auf Glaswände als gestaltende Bauelemente zurück.(91)
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Die Jahre 1920 - 1925 waren für Deffke die Zeit, in der er die größtmögliche praktische Umsetzung seines künstlerischen und organisatorischen Werbekonzepts erreichte. Die Aufmerksamkeit - im positiven wie negativen Sinne - die er nicht nur in Fachkreisen mit seinem zur Monumentalität neigenden, abstrakten und zweckbezogenen Stil auf sich gezogen hatte, äußerte sich 1923/1924 in drei ausführlichen Artikeln, die sein bisheriges Schaffen vorstellten. Den Höhepunkt stellte ein fast ausschließlich ihm gewidmetes Heft der Zeitschrift "Seidels Reklame" dar, dessen Gestaltung er selbst ausgeführt hatte. Es enthielt, neben einem Artikel des avantgardistischen Kunstströmungen gegenüber aufgeschlossenen Kunstkritikers Adolf Behne (Titel: "Deffke"), einen ausführlichen, bildlichen Überblick über Deffkes gebrauchsgrafisches und architektonisches Schaffen.(92) Adolf Behne bezeichnete ihn in einem weiteren, 1924 erschienenen Artikel mit dem Titel "Das moderne deutsche Plakat" neben Max Burchartz, Oskar Fischer, Oskar Schlemmer, Peter Röhl, Willi Baumeister und Walter Dexel als einen der "neueren Plakatisten".(93) Heute zählt man diese von Behne sogenannten neueren Plakatisten zur Avantgarde der "Neuen Typographie" oder, allgemeiner ausgedrückt, funktionellen Gestaltung, die sich allmählich zum Ende der zwanziger Jahre hin durchsetzte.(94) Das Konzept der Künstler beinhaltete:
1. die Entwicklung der Form aus der Funktion des zu gestaltenden Mediums heraus; 2. die Anwendung von abstrakten, weil funktionellen Formen mit Betonung eines Kontrasts der Formen bzw. Farben sowie einer Asymmetrie im Text/Bildaufbau; 3. den Gebrauch von Primärfarben (Rot, Gelb, Blau) sowie Schwarz und Weiß; 4. das Anstreben einer funktionellen Einheit von Schrift und Bild im Hinblick auf "Zweck der Mitteilung, Betonung (Wortwert) und ... logische[n] Ablauf des Inhalts"; 5. die Verwendung des Mediums Fotografie.(95)
Wenngleich Deffke das wichtige Medium Fotografie in seinen gebrauchsgrafischen Arbeiten nicht verwendete und keine grundlegende, theoretische Formulierung seines Werbekonzepts veröffentlichte, ist dennoch anzunehmen, dass durch seine Anfang der 20er Jahre realisierten und öffentlich präsentierten Arbeiten einen Einfluss auf die formale Entwicklung der funktionellen Gestaltung ausübte. Als Mitarbeiter im Berliner Atelier (1920 - 1925), ohne die Deffke seine umfangreichen Aufträge nicht hätte bewältigen können, lassen sich nachweisen: Egon Juda (Schwerpunkt: Verwaltung und Werbe-Organisation), Willy Vogt, Martin Wilke (Schwerpunkt: Schrift), Seifert (Schwerpunkt: Grafik und Typografie), Geissler, Eugen Rudolf Friedrich Schmidt (1920/21), Frau Rückert, Karl Bültmann (Schwerpunkt: Grafik), Jäschke, Ilse Polley und Hermann Eidenbenz (Schwerpunkt: Grafik und Typografie).(96) Ende 1924 wurde Deffke "auf dringende Empfehlung des Stadtbaurats Bruno Taut von der Mitteldeutschen Ausstellungsges. Magdeburg ... zur künstlerischen Gestaltung aller Werbemittel für die Ausstellung 'Der Zucker', Magdeburg 1925" berufen.(97) Taut kannte Deffke durch die Rückforth-Messestände, mit denen sich die Firma auf der Magdeburger Mitteldeutschen Ausstellung für Siedlung, Sozialfürsorge und Arbeit (MIAMA) 1922 präsentierte (WVZ Nr.475, 476). Taut hatte zusammen mit anderen Architekten das entsprechende Ausstellungsgelände im Rotehornpark gestaltet.(98) Die zufriedenstellende Zusammenarbeit von Deffke und der Mitteldeutschen Ausstellungsgesellschaft, Magdeburg, führte zu Verhandlungen dieser beiden Parteien und dem Magistrat der Stadt Magdeburg, da geplant war, dass Deffke die gesamte künstlerische und architektonische Gestaltung einer für Mitte 1926 geplanten Theater-Ausstellung übernehmen sollte.(99) Der positive Fortgang dieser ausstellungsvorbereitenden Gespräche legte nahe, Deffke gleichzeitig für die unbesetzte Stelle des Direktors der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg vorzuschlagen, da die Magdeburger "städtischen Körperschaften ... [beabsichtigten] ... an den hiesigen Ausstellungen ausser dem Hochbauamt in verstärktem Masse [!] auch die Kunstgewerbeschule zu beteiligen".(100)
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Anmerkung 85)
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