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WILHELM DEFFKE |
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Wilhelm Deffke: Gebrauchsgraphiker, Architekt, Werbefachmann, Buchkünstler und Batiker
1887 in Elberfeld geboren, gehörte Wilhelm Deffke zur gleichen Generation von Künstlern wie Walter Gropius (*1883), Ludwig Mies van der Rohe (*1886) oder Le Corbusier (*1887); mit den beiden Erstgenannten sollte er später sogar beruflich für kurze Zeit zusammenarbeiten. Nach einer allgemeinen zeichnerischen Ausbildung an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Elberfeld absolvierte Deffke von 1904 bis Anfang 1907 die Fachklasse für Buchausstattung unter der Leitung des holländischen Künstlers J.A. Loeber. Der Fachmann für javanische Batikkunst und Holzschnittillustrationen unterrichtete unter Anwendung dieser Techniken in der Herstellung von Bucheinbänden, Papieren sowie Buchillustrationen. Nach Tätigkeit in verschiedenen kunstgewerblichen Unternehmen ging Deffke Anfang 1909 für ein Jahr als Zeichner ins Atelier von Peter Behrens nach Neubabelsberg bei Potsdam. Zum einen durch Behrens' gebrauchsgraphische Arbeiten, vor allem durch die für die AEG stilistisch stark beeinflußt, zum anderen durch den unmittelbaren Kontakt mit anderen Behrens Mitarbeitern, wie etwa Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe war diese Zeit wegweisend für Deffkes weiteren künstlerischen Lebensweg. Im Sinne von Behrens' erfolgreicher Tätigkeit als Industrie-Designer für die AEG versuchte Deffke später für Firmen wie Reemtsma, Rückforth und Tesma, ein ähnlich umfassendes Design-Konzept zu verwirklichen. Noch während der Kriegszeit gründete Deffke 1916 zusammen mit dem Reklamefachmann und Reklamegestalter Carl Ernst Hinkefuß das Werbeatelier "Wilhelmwerk - Pflegestätte Deutscher Werkkunst". 1918 veröffentlichten sie als programatische Schrift das Buch "Handelsmarken und Fabrikzeichen" und propagierten darin am Beispiel von Entwürfen Deffkes für diverse Industrieunternehmen das Warenzeichen als Grundlage aller geschäftlichen Werbemedien. Die Bemühung der Geschäftswerbung ein einheitliches Erscheinungsbild zu geben, war an sich nicht neu. Die Hervorhebung des Warenzeichens, d.h. die Gestaltung der Werbemedien um das Warenzeichen an exponierter Stelle herum und in auffallender Form jedoch sehr wohl. Sie führte in letzter Konsequenz Anfang der 20er Jahre zur Verwendung des Warenzeichens als beinahe ausschließliches graphisches und bisweilen auch dreidimensionales Werbemedium. Stilistisch gestaltete Deffke das Warenzeichen in einer für die Zeit untypischen Funktionalität und Abstraktion. Diese der Bauhaus-Werbegestaltung bzw. der "Neuen Typographie" vorgreifende, avantgardistische Tendenz dehnte sich auf Deffkes gesamtes gebrauchsgraphisches Schaffen sowie die Gestaltung von Architektur, insbesondere der Ausstellungsarchitektur aus und fand zahlreiche Nachahmer. Seine Bauten für Firmen wie Reemtsma, Rückforth und Tesma Anfang der 20er Jahre zeigten eine Modernität, wie sie in der auf Dauer konzipierten Architektur "draußen", noch selten anzutreffen war: Ausstellungsarchitektur als Experimentierfeld und Anregung für die moderne Architektur der 20er Jahre. Deffkes hiermit grob skizzierte Bedeutung für die stilistische Entwicklung von Gebrauchsgraphik und Ausstellungsarchitektur der 20er Jahre läßt sich durch einen tabellarischen Lebenslauf wirkungsvoll ergänzen. Er zeigt Deffkes künstlerische Entwicklung im Spannungsfeld von Tradition und Moderne, mit wichtigen Berührungspunkten zum Deutschen Werkbund, dem er selbst und einige auf ihn einflußreiche Künstler seiner Umgebung als Mitglieder angehörten:
Am 23. April 1887 in Elberfeld geboren
1901-07 Besuch der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal) Ausbildung als Buchgewerbler und Graphiker in der Klasse des aus Holland stammenden Kunstbuchbinders J.A. Loeber
1907-09 Studienaufenthalt in Holland bei J. Thorn-Prikker, Jan Toorop und Chris Lebeau Preisträger eines Wettbewerbes der Kunstanstalt Hyll & Klein in Barmen Leiter der Fabrikationsabteilung der märkischen Buntpapiermanufaktur W.Valentin in Berlin-Zossen Leiter der Batikwerkstätten der Firma Arthur Diener in Fürstenberg/Mecklenburg
1909-10 künstlerischer Mitarbeiter für Graphik, figurale Komposition und Architektur im Atelier von Peter Behrens in Neubabelsberg Mitarbeit an der Gestaltung der graphischen Werbemitteln der AEG Bekanntschaft mit Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Peter Grossmann
1910-12 Lehrer für Buchgewerbe und Batiktechnik an der Schule Reimann, Berlin Bekantschaft mit Julius Klinger
1912-14 künstlerischer Beirat und Leiter des Entwurfsateliers der Großdruckerei und Verlagsanstalt Otto Elsner, Berlin Mitglied im Deutschen Werkbund e. V. von 1913 bis ca. 1928 Preisträger verschiedener Wettbewerbe (u.a. Plakatwettbewerb Werkbundausstellung Köln 1914) gebrauchsgraphische Arbeiten für diverse im Deutschen Werkbund organisierte Firmen Bekanntschaft mit dem Reklamefachmann Carl Ernst Hinkefuß, Deffkes späterem Partner im Werbeatelier "Wilhelmwerk"
1914-15 Kriegsteilnehmer Ende 1915 infolge Verwundung entlassen
1916-20 Gründung des Werbeateliers "Wilhelmwerk-Pflegestätte Deutscher Werkkunst" in Berlin zusammen mit dem Reklamefachmann und Werbegestalter Carl Ernst Hinkefuß
1920-25 eigenes Atelier für Werbegraphik und Architektur in Berlin Preisträger bei verschiedenen beschränkten Wettbewerben (Briefmarke zur Nationalversammlung 1919, Firmenzeichen der Reemtsma- Zigarettenfabrik, Firmenzeichen der Problem-Zigarettenfabrik). Nach Deffkes Angaben, 1922 "zeitweise [eine] Arbeitsgemeinschaft für architektonische Aufgaben mit Arch. Mies van der Rohe", den er aus dem Atelier Behrens kannte. (LEBENSLAUF Blatt 1). In einem weiteren, tabellarischen Lebenslauf Deffkes wird die erwähnte Arbeitsgemeinschaft unter der Zeitspanne "1917-1924" geführt.
1919-23 Entwurf des Firmenzeichens, Durchführung der Werbeorganisation und einheitliche künstlerische Gestaltung sämtlicher Werbemittel, einschließlich Ausstellungs- und Industriearchitektur für die Reemtsma-Zigarettenfabrik, Erfurt
1922-24 gesamte Werbeorganisation und künstlerische Gestaltung sämtlicher Werbemittel für den Lebensmittel Konzern Rückforth, Stettin und die Tesma-Zigarettenfabrik in Berlin
1925 auf Empfehlung des Magdeburger Stadtbaurats Bruno Taut von der Mitteldeutschen Ausstellungsgesellschaft Magdeburg zum künstlerischen Leiter der Ausstellung "Der Zucker", Magdeburg 1925 berufen
1925 Berufung als Direktor an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Magdeburg (dort unterrichtende Lehrer waren u.a. Walter Dexel, Johannes Molzahn, Peter Grossmann, Julius Klinger und Hermann Eidenbenz)
1925/26 Planung und teilweise Ausführung des gesamten künstlerischen Erscheinungsbilds (Architektur, Ausstellungsarchitektur, Plakat, Katalog etc.) der Theaterausstellung-Magdeburg
1927 Ernennung zum Professor Preisträger beim Architektur-Wettbewerb für die Hauptfeuerwache in Breslau
1929/30 gebrauchsgraphische Arbeiten für die Zigaretten-Firma Manoli, Berlin
1933 Entlassung als Direktor der Kunstgewerbeschule Magdeburg
1933-45 private Tätigkeit als Gebrauchsgraphiker
1945 Verlust des größten Teils der künstlerischen Arbeiten sowie der umfangreichen Bibliothek
1946-47 erneute Tätigkeit als Direktor der Kunstgewerbeschule Magdeburg Gestaltung der Ausstellung "Magdeburg lebt", Magdeburg 1947
1950 Verleihung des Kunstpreises der Stadt Berlin
Am 28. August 1950 in Woltersdorf bei Erkner verstorben
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